Der Sinn und Unsinn von Leserunden

Meine Meinung

Leserunden sind chic.

Und gehören für einen Autor, der auf sein Werk
aufmerksam machen will, heutzutage dazu.

Allerdings stelle ich mir schon seit geraumer Zeit die Frage:
Machen Leserunden noch Sinn?

Doch was ist eigentlich eine Leserunde?

Nun, bei einer Leserunde treffen sich Autor und interessierte Leser, um gemeinsam ein Buch über einen gewissen Zeitraum zu lesen. Das Buch wird dabei in verschiedene Abschnitte unterteilt, über die nach dem Lesen dann diskutiert werden soll. Gemeinsam mit dem Autor.

Als Leser bekommt man so die Möglichkeit, herauszufinden, was sich der Schriftsteller bei einzelnen Szenen gedacht hat – dieser bekommt direktes Feedback zu Szenen.

Gerne starten Leserunden im Vorfeld mit einer Verlosung des Buches. Damit die interessierten Leser es auch haben.

Soweit, so gut.

Ich selbst habe an drei Leserunden teilgenommen.

Die Erste lief in einer geheimen Gruppe bei Facebook. Dabei wurde jeden Abend über eine gewisse Anzahl von Kapiteln diskutiert. Wenn man jedoch einmal am Tag nicht dazu kam, diese vorher zu lesen, hing man hinterher.

Die Zweite fand bei einem großen Portal statt, bei dem viele Verlage ihre Leserunden veranstalten. Es gab neben dem Autor jemanden, der die Runde betreute. Das Buch hatte ich als e-book gewonnen und ich freute mich auch schon sehr darauf.
Leider spielte das Leben nicht mit. Eine mir nahe stehende Person erkrankte schwer und verstarb innerhalb weniger Wochen. Daher stand mir nicht mehr der Sinn danach, bei der Leserunde mitzumachen. Als mir Wochen später einfiel, dass die Runde schon längst gestartet war, fand ich keinen Anschluss mehr.
Denn auch wenn auf diesem Portal jeder in seinem eigenen Tempo lesen kann, ist es trotzdem wichtig, es zeitnah zu tun.
Ich versuchte es dennoch. Was kläglich scheiterte.
Ich kam nicht mehr ins Buch.

Eigentlich war dies schon der Moment,
bei dem mir klar war –
Leserunden sind nicht so meins.

Doch ich versuchte es noch einmal – mit dem Roman einer Bekannten. Auch hier kam mir wieder das Leben dazwischen.

Leider!

Mein Fazit:
Leserunden sind nichts für mich!

Allerdings beobachte ich immer noch die Entwicklung und spreche mit Autoren über ihre Erfahrungen.

Die sind leider teilweise auch nicht so begeistert.

Entweder, weil sie das Gefühl haben, dass es nur um das Abgreifen eines Gratisbuchs geht – Teilnehmer gewinnen und dann hört man nie wieder etwas von ihnen.
(Ich habe mich ja doch noch abgemeldet.)

Oder aber es wird untereinander geredet, aber der Autor ist außen vor, obwohl er sich sehr gerne einbringen würde. Antworten, die sich auf Unklarheiten beziehen werden ignoriert oder der Autor mit Punktabzug bei der Rezension „abgestraft“ für Sachen, die nicht in seiner Macht standen – wie Cover oder das Teilen eines Romans.

Auch fällt immer wieder auf, dass gesagt wird: „Eigentlich ist es ja nicht mein Genre – irgendwie komme ich nicht rein.“
Mmmh – warum bewirbt man sich dann für das Buch? Klar, man kann gerne mal etwas Neues ausprobieren, aber man sollte dann nicht den Autor abstrafen, wenn es einem nicht gefällt.

Die Sachlichkeit in der Diskussion fehlt einfach!

Ist der Sinn der Leserunden damit noch gegeben? Ich weiß es nicht.

Mein Tipp:
Seid euch sicher, ob ihr das Buch wirklich lesen wollt.
Nutzt die Möglichkeit, euch mit dem Autor und anderen über das Buch auszutauschen – denn das ist es doch, worum es gehen sollte!

Und wenn ihr herausfinden wollt, ob Leserunden etwas für euch sind, dann seid bitte so fair und macht nicht den selben Fehler wie ich – sucht euch ein Buch aus, dass ihr schon auf dem SUB habt und beteiligt euch einfach so an der Leserunde.

WENN Leserunden einem gefallen, dann macht das nämlich auch Spaß, ohne dass man das Buch gewonnen hat!

Raupengrüße

15 Gedanken zu „Der Sinn und Unsinn von Leserunden

  1. Ist natürlich ärgerlich, wenn Sachen dazwischen kommen und man dann in der Leserunde nicht mehr hinterher kommt. Andererseits ist es klar, dass die Bücher recht schnell gelesen werden (sollen), da es ja oft Leserunden kurz vor oder am Releasetag losgehen. Da soll selbstverständlich sehr viel Werbung in einem kurzen Zeitraum gemacht werden.

    Ich habe sowohl sehr angenehme Leserunden als auch nicht so tolle mitgemacht.
    Positiv finde ich, wenn sich der Autor stark beteiligt und offen für Fragen ist. Konstruktive Kritik nimmt er entgegen, sodass jedem geholfen ist. Alle Teilnehmer beteiligen sich rege und diskutieren über zahlreiche Themen.
    Negativ: Leute schreiben einfach nur untereinander die Posts zu den Leseabschnitten, und es entsteht überhaupt keine Diskussion. Der Autor beteiligt sich entweder überhaupt nicht oder er nimmt jeden einzelnen Kritikpunkt persönlich.

    1. Ich danke dir für deine Meinung. Und ich weiß, das Leserunden Werbung sind. Genau wie Blogtouren. Aber trotzdem sollte es auch bei Leserunden fair zu gehen und Autoren nicht für Sachen angegriffen werden, die nicht in ihrer Macht liegen oder sich für Tatsachen verteidigen müssen, die ihren Roman ausmachen.
      Ich denke, jeder, der sich für eine Leserunde bewirbt, sollte im Vorfeld feststellen, ob das Buch überhaupt etwas für ihn ist. 😉

  2. Liebe Silja,
    du sprichst mir aus dem Herzen! Ich selbst veranstalte keine Leserunden, bringe also das fertige Buch auf den Büchermarkt. Denn ich habe keine Zeit und Lust mich im Vorfeld schon z.B. Facebook von Lesern zerreißen zu lassen, die mit meinem speziellen Thema nichts anfangen können, keine Ahnung haben und nur ein Gratisbuch abstauben möchten. Denn ich beobachte seit vielen Wochen , dass gerade auf FB es ansch. „Mode“ geworden ist, dass Autoren unter einander sich neiden und entsprechend reagieren. Bei manchen Posts und Kommentare geht es unter die Gürtellinie und bitte wo bleibt hier der Respekt vor dem Autorenkollege.!?
    Ich selbst habe erst mit einer Leserunde begonnen und wie bei dir kam das Leben dazwischen. Ich entschuldigte mich beim Autor und werde in Zukunft nichts mehr in diese Richtung unternehmen. Weiterhin kaufe ich mir die Bücher und wenn es meine Zeit erlaubt, blogge und stelle diese Bücher auf meinem Blog vor. Ganz nach Madame MS´s Launen 😉
    Dein Blog ist einer der Besten! Danke Silja- du machst dir wirklich Gedanken!
    LG Caro

    1. Ja, die „ABSTAUBMENTALITÄT“ nimmt leider immer mehr zu. Die Entwicklung nimmt nicht nur im Netz zu.
      Allerdings bin ich nicht komplett gegen Leserunden. Sie können toll sein, wenn beide Parteien ihren Teil dazu geben. Bei einer so speziellen Thematik wie deiner wäre eine Leserunde mit ebenfalls Betroffenen vielleicht für beide Seiten interessant. 🙂

  3. Hallo und guten Tag,

    ich bin ein Fan von Leserunden, denn ich persönlich mag den Austausch von Meinungen, Gedanken und Empfindungen sehr. Und hänge mich auch entsprechend rein.

    Leider gibt es viele Leute, die Bücher einfach nur abgreifen und dann wieder verkaufen bei nächst bester Gelegenheit. Und so kann ich manche Autoren auch verstehen, die das gar nicht so toll finden. Macht mir, aber auch als Teilnehmerin keinen großen Spaß, wenn man einfach niemanden zum disskutieren hat und findet.

    Zumal auch die Höfflichkeit ziemlich nachgelassen hat. Keiner bricht sich doch einen Zacken aus der Krone, wenn man einfach mal in einer Runde bescheid gibt, wann man einsteigen kann…..

    Es kommt aber auch immer auf die Plattform an. Ich kenne welche, wo das total gut läuft und auf anderen gibt es halt genau die geschilderten Probleme.

    So das war meine Meinung.

    LG..Karin..

    1. Danke dir! Klar, je größer die Plattform, umso größer die Möglichkeit, dass die Leserunde daneben kann. Wenn ich eine machen würde, dann in einem kleinen Rahmen mit interessierten Lesern, die schon im Vorfeld Kontakt mit mir hatten und vielleicht ein paar, die ich nicht kenne, damit die Mischung stimmt.

      Und der Umgangston macht sehr viel aus. Respekt gegenüber dem Autor und den anderen Teilnehmern sollte zum guten Ton dazu gehören. Leider nimmt das im Netz immer mehr ab.

  4. Ich mag Leserunden aus verschiedenen Gründen. Mag sie aber lieber in einem kleinerem Forum als auf einem großen Portal.

    Der Vorteil von Leserunden: Ich kann ein Buch von Anfang bis Ende mit Leuten besprechen die ich nicht durch meine Fragen oder Diskussionen Spoiler. Ich kann, wenn ein Autor zugegen ist (das ist nämlich nicht immer so) den Autor Fragen was er sich dabei gedacht hat.

    Der Vorteil an kleinem Forum: Es ist familiärer. Bei einer großen Plattform sind viel fremde Personen, leider machen nicht alle Gewinner mit und so kommt ein fader Beigeschmack auf. Ich bewerbe mich auf zwei großen Portalen so gut wie gar nicht mehr einfach weil es oft dieselben zu sein scheinen die mitmachen dürfen und die Freiexemplare gewinnen.

    Wenn mich ein Buch vollkommen interessiert bin ich aber auch bereit es zu kaufen sofern es mein Konto gerade zulässt 😉

    1. Ja, bei kleinen Runden wird es sicher toll. Bei mir liegt es teilweise auch an der Zeit, dass ich sage – Leserunden sind nichts für mich.
      Was nicht heißt, dass ich es nicht noch einmal ausprobieren werde. 😉

      Wichtig ist – wenn ich das Buch gewinne, dann gehe ich auch die Verpflichtung ein, bei der Leserunde mitzumachen, wichtige Gründe sind da außen vor, dann allerdings mit der Verpflichtung, sich beim Verantwortlichen zu melden.

      Ich habe den Fehler selbst ja auch gemacht und mich erst ein paar Wochen später gemeldet, was mir sehr leid tat. Deswegen möchte ich andere aufrütteln und anregen, vielleicht das eigene Verhalten zu überdenken.

  5. Spannendes Thema! 🙂

    Ich muss ja gestehen, dass ich ein Neuling bin,was Leserunden betrifft. Aber die Buchabgreifer habe ich in der kurzen Zeit auch schon entdeckt. Klar,kommt man manchmal einfach nicht dazu,weil das Leben dazwischen spielt – ich war bspw.anfangs intensiv dabei und habe mich zu jedem Abschnitt geäußert,bin aber nun mit der Rezension aufgrund von Krankheit,Vorstellungsgesprächen in ganz Deutschland und anderen Dingen hinterher. Doch ein Buch abzugreifen und sich dann monatelang gar nicht bzw.nie mehr zu melden, ist wirklich dreist und unfair dem Autor, dem Verlag und den anderen Lesern / Interessierten gegenüber.

    Ansonsten finde ich Leserunden eine schöne Sache, auch wenn man an der Umsetzung oftmals sicher noch arbeiten könnte.Mir ist aufgefallen,dass Diskussionen oder ein wirklicher Austausch selten stattfinden – meist schreibt jeder Leser seine Eindrücke nur nieder, aber interessiert sich nicht dafür,was die anderen Teilnehmer der Leserunde schreiben. Ich denke, da könnten bspw. Moderatoren nützlich sein, die eventuell zu jedem Abschnitt Diskussionsanregungen liefern oder Fragen stellen, über die die Teilnehmer sinnieren können (wobei natürlich auch das keine Garantie für einen GEMEINSAMEN Austausch wäre).

    Für mich werden Leserunden aber auch eher eine Ausnahme bleiben, da ich gerne selber mein Tempo bestimme – manchmal bin ich nicht in der Stimmung für ein bestimmtes Genre und kann das Buch daher nicht genießen. Mich dann durchs Buch zu zwingen, halte ich für keine gute Sache,da ich dann immer etwas Negatives mit dem Buch verbinde, was dem Autor gegenüber nicht fair ist.

    1. Ja, ich lese auch gerne in meinem eigenen Tempo – deswegen habe ich auch Anfang des Jahres für mich beschlossen, keine Rezi-Exemplare mehr anzunehmen. Da fühle ich mich nämlich auch unter Druck gesetzt. Was mir die Lesefreude nimmt. 😉

      Ja, eine Moderation würde bei Leserunden vielleicht wirklich helfen – oder eben eine Diskussionsrunde zu bestimmten Szenen zu einem bestimmten Zeitpunkt, der ja im Vorfeld mit allen Teilnehmern festgelegt werden kann.

      Es gibt viel Potential in Leserunden – wenn alle ihren Beitrag dazu liefern! 🙂

  6. Huhu liebe Silja! 🙂

    Wie schade, dass du so ein Pech hattest mit den Leserunden. :/

    Bishher hatte ich erst einmal das Gefühl, dass eine Runde nicht für mich gepasst hat – zu viele Teilnehmer, keiner ging mehr auf die Kommentare des anderen ein, es wurde nur „abgeliefert“ aber nicht mehr besprochen. Und das ist doch schade, denn eine Leserunde mache ich ja für den gegenseitigen Austausch und damit ich mir auch Infos vom Autor holen kann und diesen miteinbeziehe.

    Alle anderen bisherigen Leserunden liefen aber sehr nach meinem Geschmack. 🙂 Es wurde nett geplaudert, viel Hintergrundinformation bekannt und man fühlte sich einfach wohl.

    Falls du dich doch noch dazu entscheiden solltest irgendwann wieder an einer Leserunde teilzunehmen, drück ich dir fest die Daumen, dass es dich diesmal begeistern kann. Wenn nicht, dann kann man nix machen, ich hoffe, du hast trotzdem eine tolle Zeit mit dem Buch und viel Geplaudere mit anderen Bloggern! 🙂

    Liebste Grüße
    Nina

    1. Ich werde sicher irgendwann mal wieder an einer Leserunde teilnehmen. In meinem Kopf bilden sich auch schon Ideen, wie man es aufziehen könnte. 😉

      Ansonsten kann ich nur sagen, dass meine Erlebnisse mit anderen Bloggern in dem Jahr, in dem ich jetzt aktiv dabei bin, nur positiv war. So langsam entwickelt sich hier auch was eigenes. Zum Glück! 🙂

  7. Ich hatte bisher bei meinen Leserunden nur wenige mit Autor und habe unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Die negativsten Erfahrungen waren mit Autorinnen, deren Buch mir leider nicht so gut gefallen hat und ich den Lobeshymnen der anderen Teilnehmer einfach nicht beipflichten konnte. Ich wurde dann jeweils geflissentlich ignoriert, Kritik war in den Leserunden wohl nicht erwünscht…
    Es gab aber auch richtig nette Autoren, die sich auch über kritische Nachfragen (nicht von mir) gefreut und sich entsprechend dazu geäußert haben.
    Ich bin auch nicht der schnellste Leser und oft habe ich auch das Problem, daß viele einfach zu schnell vorpreschen und spätestens am zweiten Tag durch sind.

    Von daher nehme ich nur noch an Leserunden teil, bei denen das Tempo vorgegeben ist, alles andere führt nur zu Frust.

  8. Ich habs mal sehr gern gemacht. Aber mein Leben hat sich verändert. Meine Zeit ist anders eingeteilt, meine Gesundheit geht vor. Und vor allem ist es nicht schön, wenn das Lesen zum Stress, zum MUSS wird…. Deswegen lass ichs mit den ausgelobten Leserunden.
    Vielleicht mach ich noch mal den Vorstoß in Richtung Sub-Oldies in einer Runde mit anderen zu lesen, die die Bücher auch noch Daheim stehen haben und diese aus ihrem Versteck befreien möchten 🙂 Das habe ich schon mal gemacht, das war auch ganz nett und eben viel einfacher, ohne großen Druck. So wie auch z.B. in der SoKo auf Facebook. Das finde ich auch noch schön, weil es nicht die gängigen Bücher sind, die grad überall in sind 😉 Da würde ich auch mitmachen, selbst wenn nicht irgendein Verlag oder Autor Bücher an uns Teilnehmer zur Verfügung stellt.

    Da jeder ein eigenes Lesetempo hat, jeder anders dran geht, finde und fand ich es bei einigen Runden doof, dass da pro Tag ein Abschnitt z.B. gelesen wurde. Wenn ich z.B. einen 12-Stunden-Tag hatte, bin ich garantiert nicht dazu gekommen, den Abschnitt zu lesen und dann noch wie wild drüber zu diskutieren. Und schwups, war ich raus aus dem Ganzen. Meine Fragen oder Anmerkungen fanden null Aufmerksamkeit, wurden auch schon mal ignoriert. Da geht mir ehrlich gesagt der Sinn verloren. Und ja, der Ton war/ist manchmal auch unterste Schublade. Das sind alles für mich echte K.O.-Kriterien.

    Ja, es tut mir bei einigen Autoren auf LB z.B. sehr leid, dass ich da nicht mehr mit mache, gerade die, mit denen ich auch so noch Kontakt habe. Aber das ist nicht fair, wenn ich da ein Buch bekomme, liebevoll signiert und dann mich nicht so beteiligen kann. Da gibt es andere, die offenbar Zeit und Muße haben und sich -so Gott will- beteiligen und freuen dürfen 🙂

    Liebste Grüße
    Bine

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